Wissen & Wirkung
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04.08.2025
Maca, die Wurzel aus den Anden zwischen Mythos und Evidenz

Hoch oben in den peruanischen Anden, auf über viertausend Metern Höhe, wächst eine unscheinbare Knolle unter Bedingungen, die für die meisten Pflanzen schlicht tödlich wären. Eisige Kälte, eine erbarmungslose UV Strahlung und karge, steinige Böden prägen diese Höhenlagen. Dass Maca dort nicht nur überlebt, sondern gedeiht, hat ihr seit jeher den Ruf einer besonders widerstandsfähigen Pflanze eingebracht. Die Menschen der Anden nutzen sie seit vielen Jahrhunderten als Nahrung und als Kraftwurzel, und in ihrer Tradition steht Maca für Ausdauer, Fruchtbarkeit und Lebenskraft. Diese kulturelle Geschichte ist reich und faszinierend, und sie ist ein guter Ausgangspunkt. Doch wie schon bei anderen traditionellen Pflanzen lohnt es sich, von Anfang an zwei Dinge auseinanderzuhalten, die gern vermischt werden. Das eine ist die jahrhundertealte Erfahrung, das andere die Frage, was sich davon mit den Methoden der modernen Wissenschaft tatsächlich bestätigen lässt. Beide haben ihren Wert, aber sie sind nicht dasselbe.
Wer verstehen will, was in Maca steckt, sollte sich von dem Wort Superfood nicht zu sehr beeindrucken lassen und stattdessen einen ruhigen Blick auf die Inhaltsstoffe werfen. Die Wurzel liefert zunächst ganz handfeste Dinge, nämlich Kohlenhydrate, Ballaststoffe, pflanzliches Eiweiß sowie Mineralstoffe wie Eisen und Zink. Spannender für die Forschung sind jedoch einige spezielle Pflanzenstoffe mit klangvollen Namen wie Makamide und Macaene sowie schwefelhaltige Verbindungen, die sogenannten Glucosinolate, die auch für den etwas erdigen Geschmack verantwortlich sind. Im Handel begegnet man verschiedenen Sorten, meist als gelbe, rote und schwarze Maca bezeichnet, denen in ersten Untersuchungen teils unterschiedliche Eigenschaften zugeschrieben werden. Einen Punkt sollte man dabei besonders klar im Kopf behalten, weil er später wichtig wird und in der Werbung gern verschwiegen wird: Maca enthält selbst keinerlei Hormone. Wenn ein Produkt also den Eindruck erweckt, hier werde gewissermaßen pflanzliches Testosteron geliefert, dann ist das schon vom Ansatz her irreführend.

Damit kommen wir zum Herzstück, der Frage also, was Studien über Maca wirklich aussagen. Der interessanteste und zugleich am häufigsten missverstandene Befund betrifft die Libido, also das sexuelle Verlangen. Eine systematische Übersichtsarbeit hat vier kontrollierte Studien zu diesem Thema zusammengetragen und ausgewertet. Das Ergebnis war vorsichtig positiv, aber zugleich klar begrenzt. Es gibt Hinweise darauf, dass Maca das sexuelle Verlangen steigern kann, doch sowohl die Zahl als auch die Qualität der verfügbaren Studien ist gering, sodass man von einem bestätigten Effekt noch nicht sprechen darf. Nun kommt jedoch das eine Detail, das beim Thema Maca im Grunde alles verändert und das in vielen Werbetexten geflissentlich übergangen wird. In einer der zentralen Studien zeigte sich die berichtete Steigerung des Verlangens, ohne dass sich der Testosteronspiegel oder andere Sexualhormone messbar veränderten. Anders gesagt: Falls Maca auf die Libido wirkt, dann läuft dieser Effekt offenbar nicht über den Hormonhaushalt. Das ist deshalb so bedeutsam, weil Maca im Verkauf so gern als Testosteronbooster dargestellt wird. Genau diese Darstellung wird durch die Studienlage nicht gestützt, sondern im Gegenteil entkräftet. Man kann es sich bildlich so vorstellen, dass zwei Dinge zwar gleichzeitig im Raum stehen, das eine aber nicht die Ursache des anderen ist.
Für die übrigen Anwendungsgebiete, über die man oft liest, also für mehr Energie, bessere Stimmung, eine höhere Spermienqualität oder Beschwerden in den Wechseljahren, sieht es noch dünner aus. Hier existieren einzelne kleine Studien mit uneinheitlichen Ergebnissen, die für verlässliche Aussagen schlicht nicht ausreichen. Hinzu kommt ein Punkt, der für viele pflanzliche Stoffe gilt und den man immer mitdenken sollte. Ein großer Teil der vielzitierten beeindruckenden Effekte stammt aus Versuchen an Tieren. Solche Ergebnisse sind wertvoll als erster Hinweis, sie lassen sich aber nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen, denn was bei einer Maus im Käfig geschieht, muss beim Menschen im Alltag noch lange nicht genauso ablaufen.
Wer Maca trotzdem ausprobieren möchte, sollte einige praktische Hinweise kennen. In Studien kam meist getrocknetes Maca Pulver oder eine besser verdauliche, gelatinierte Zubereitung zum Einsatz, üblicherweise in Mengen von etwa eineinhalb bis drei Gramm täglich. Bei konzentrierten Extrakten, etwa im Verhältnis zwanzig zu eins, entsprechen schon kleinere Mengen einer größeren Rohstoffmenge, weshalb für die Beurteilung eines Produkts die genaue Extraktangabe viel aussagekräftiger ist als das bloße Wort Maca auf der Verpackung. Die Wurzel gilt in üblichen Mengen als gut verträglich, bei sehr hohen Dosierungen werden gelegentlich Magen Darm Beschwerden oder eine gewisse innere Unruhe berichtet. Anders als Kaffee, enthält Maca übrigens kein Koffein und keine sonstigen klassischen Aufputschmittel.
Wenn man am Ende alles zusammenführt, ergibt sich ein klares und ehrliches Bild. Maca ist ein traditionsreiches Lebensmittel mit einem durchaus bemerkenswerten Kern an Studien. Die besten Hinweise betreffen das sexuelle Verlangen, und das eben unabhängig vom Testosteronspiegel. Maca ist damit ein plausibler Kandidat, wenn es um die Libido geht. Wer die Wurzel ausprobiert, sollte sie als das verstehen, was sie ist, nämlich als ein traditionelles Lebensmittel mit einzelnen, positiven Signalen aus der Forschung. Die Studienlage ist noch nicht abschließend, zeigt aber interessante Hinweise, die erklären, warum der Stoff in modernen Rezepturen weiterhin relevant ist.
Unsere Quellen u.a.:
Shin B. C. u.a. (2010): Maca (L. meyenii) for improving sexual function, a systematic review. BMC Complementary and Alternative Medicine 10: 44.
Gonzales G.F. u.a. (2002): Effect of Lepidium meyenii (MACA) on sexual desire and its absent relationship with serum testosterone levels in adult healthy men. Andrologia 34(6): 367 bis 372.
EFSA, EU Register of Nutrition and Health Claims: https://ec.europa.eu/food/safety/labelling_nutrition/claims/register/public
Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Verdacht auf hormonelle Störungen oder anhaltenden Beschwerden sollte eine ärztliche Fachperson hinzugezogen werden.
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